Seelenfutter

Tipps für Struktur im Alltag

26. Mai 2014
Struktur im Alltag

Ich habe für alles Zeit. Wenn ich nur möchte. Das hört sich jetzt sicher angeberisch an, aber es ist tatsächlich so. Ich plane jeden Abend meinen nächsten Tag haarklein durch, denn ich bin ein Mensch, der sich unfassbar schnell verzettelt und nichts gebacken kriegt, wenn nichts geplant ist.

Für manche Leute ist das sicher überhaupt nichts, weil sie eh schon so super strukturiert sind. Ich bin es leider nicht. Oder sagen wir mal so: ich habe eher gelernt, das Leben geschehen zu lassen. Generell keine schlechte Idee, nur komme ich so nicht zu Potte! Was muss für mich her? Struktur im Alltag!

Den Tag bewusst einteilen

Ich muss nicht unbedingt meine Leistung steigern. Gut, es natürlich ein tolles Gefühl, etwas geschafft zu haben. Mir geht es darum, dass ich mein Leben ganz bewusst einteile. Meinem Leben etwas biete. Soll nicht heißen, dass ich nicht mal herrlich spontan sein kann oder auch mal einen Tag nichts plane. Aber wer will schon sinnlos seine Zeit im Internet verbringen, wenn man doch in der Dauer so herrlich schöne Kunst-Austellungen besuchen kann? Ich nicht. Flugs vergeht die Zeit und Unzufriedenheit macht sich breit. Somit gibt es am Tage gewisse Zeiten, da gehe ich ins Internet. Nicht lang, aber bestimmt.

Struktur gibt Freiheit

Ich stehe um 5.30 auf und mache eine Stunde Yoga. Das fällt mir um diese Zeit keineswegs leicht. Doch ich habe mittlerweile meinen Geist im Griff und weiß – habe ich es geschafft, geht’s mir bombastisch. Somit habe ich die spirituelle Praxis schon mal erledigt und gehe mit freiem Geist in den Tag. Danach arbeite ich Schritt für Schritt meine Aufgaben ab. Alles zeitlich eingeteilt. Ich könnte die Dinge auch spontan machen, würde dann weder mit meinen Kindern Schlittschuhlaufen gehen oder ihnen Bratäpfel machen, weil entweder keiner Lust hätte oder zu faul wäre.  Steht es aber auf der Liste, wird es erledigt. Das Geheimnis? Ich habe Konsequenzen. Ich kann zwei Aufgaben auf der Liste innerhalb der Liste zeitlich verschieben. Tue ich das mehrmals oder lasse ich gar etwas aus, gibt es eine Konsequenz. Die Konsequenzen wechseln. Momentan wäre die Schlussfolgerung: um vier Uhr aufstehen und 100 Sit-ups machen. Wer mich gut kennt, weiß, dass ich Bauchübungen hasse, um vier Uhr aufstehen sowieso, somit eine effektive Konsequenz.

Ich liebe es, meine Zeit achtsam einzuteilen und Energiesauger haben darin keinen Platz. Meine Zeit ist mir heilig und wer daran teilnehmen darf, bestimme ich. Mich mit Menschen treffen, die mir nichts bedeuten? Pustekuchen. Gespräche führen, die mich zu Tode langweilen? Oh, no! Zeit ist ein Medium und ich bin verantwortlich, wie ich sie einsetze. Ich möchte wissen, wo sie hingeht. Manche führen ein Haushaltsbuch, ich mache das mit meiner Zeiteinteilung. Ich habe für alles Zeit. Das ist so ein gutes Gefühl. Das heißt aber auch, dass ich mir für bestimmte Dinge ein Limit setzen muss. Ich versuche nichts zu vermeiden. Weder die Steuer zu machen, noch die unliebsamen Briefe zu öffnen. Ja: das ist neu. Das war nicht immer so. Ich war die Königin der Vermeidung. Der Satz: „Avoiding things ist he biggest waste of time“ klebt bei mir riesig im Arbeitszimmer.

Vermeidung = Zeitverschwendung

Wir vermeiden oft die Dinge, die wir nicht mögen. Sei es das Gespräch um die Gehaltserhöhung oder das Abheften der unliebsamen Belege. Wenn wir anfangen, die Dinge zu lieben und nichts mehr zu vermeiden, haben wir auf einmal sehr viel inneren Raum, Gelassenheit und auch mehr Zeit. Meine Liste ist täglich sehr lang und ich plane so, dass ich am Ende des Tages stolz auf mich sein kann. Warum nicht? Wir lügen uns so oft in die Tasche. Behaupten wir hätten keine Zeit. Wir haben tagtäglich 24 Stunden. Die können wir so wunderbar strukturieren – sodass alles reinpasst. Und wenn mal nicht: egal. Nur: nicht übernehmen mit den Aufgaben, schön realistisch bleiben! Zufriedenheit garantiert.

Wo sind Zeitfresser?

Wenn wir um unsere nicht vorhandene Zeit jammern, müssen wir etwas ändern. Was frisst mir Zeit? UND vor allem: wer stiehlt mir Zeit. Wir müssen uns nicht von der Freundin 2 Stunden am Telefon einlullen lassen. Da hilft es sich ein Time-Limit zu setzen. 30 Minuten. Da sein. Zuhören. Es ist so viel effektiver, weil wir dann voll und ganz und liebevoller bei der Sache sind. So, nun muss ich aufhören, meine Zeit zum Artikelschreiben ist abgelaufen.

 

  • Catalina
    27. Januar 2014 at 11:02

    Oh…bravissimo! Dein Artikel kommt genau zum richtigen Zeitpunkt!!! Mir wird mehr und mehr bewusst wie verplant ich eigentlich bin…von wegen spontan und frei wie vermeintlich gedacht!

    Danke! <3

    Catalina

  • Madhavi Guemoes
    27. Januar 2014 at 11:03

    Ach, das freut mich sehr!!!

  • seasonette2
    27. Januar 2014 at 11:49

    Ich bin im Gegenteil zu Catalina überhaupt nicht verplant und eher eine Meisterin des „das-Leben-geschehen-Lassens“ – vor allem am Wochenende. Und dann wundere ich mich, dass die Zeit so schnell verstreicht und ich nix oder zu wenig gebacken bekomme von all den Dingen, die ich eigentlich gerne machen wollte.

    Insofern kommt dein Artikel auch für mich goldrichtig – etwas mehr Zeitplanung wär‘ wohl nicht verkehrt für mich 😉

    Liebe Grüße
    Jana

  • Madhavi Guemoes
    27. Januar 2014 at 11:53

    So sind wir alle unterschiedlich…..zum Glück 🙂

  • Christoph
    27. Januar 2014 at 20:42

    Toller Artikel. Motivation in mustergültiger Ausführung! Schwierig finde ich es seinem Gegenüber mitzuteilen, dass man eben nicht gewillt ist, abends mal ein kleines Bierchen trinken zu gehen, die wertvolle Mittagspause zu opfern oder sich nachmittags mal zu treffen. Ich bin da wohl noch zu höflich und gut erzogen – ein wunderbarer Glaubenssatz, den ich mal prüfe – aber mit Konsequenzen ;)! Danke… und viele Grüße.

  • Madhavi Guemoes
    27. Januar 2014 at 20:44

    Ja, das stimmt. Ich sagte heute zu Henrik: “ Ich kann jetzt nicht mit Dir telefonieren, ich habe jetzt Lesezeit mit den Kindern, können wir das bitte heute Abend besprechen?….“ Funktioniert. Und hat Klarheit….. xxx Madhavi

  • Christoph
    27. Januar 2014 at 21:49

    Gutes Beispiel – klare Ansage! Auch das muss man üben! Abgrenzen – wenn man es drauf hat, sehr wirkungsvoll und hilfreich für das eigene Leben. Ich kann sagen, dass ich das in meiner Kindheit so nicht gelernt habe. Da ging es früher in der Familie viel um Erwartungen (!).. und spätestens dann wird es schwierig, weil die Grenzen leicht verschwimmen. Mittlerweile hab ich an dieser Stelle gelernt. Gerade der Anfang des Abgrenzungsprozesses ist schwierig. Da war der Wille oft vorhanden, mal wirklich zu sagen, was IST – und die (argumentative) Umsetzung scheiterte dann kläglich ;). Aber man kann es üben – zum Beispiel, in dem man einmal am Tag bewusst NEIN zu irgendeiner Anfrage bzw. zu einer Person sagt. Am Anfang fand ich die Vorstellung schrecklich… mittlerweile geht es besser. Aber die norddeutsche Mentalität hilft hierbei. Hier oben weht nämlich manchmal ein rauer Wind – und das ist auch gut so!

  • jule
    27. Januar 2014 at 22:48

    wunderbar, liebe madhavi, ganz wunderbar.
    hast du auch einen tipp für anfänger? realiatisch bleiben ist für meinen inneren perfektionisten nicht so einfach, weshalb ich die methode vor einigen jahren verwarf. bei dir hört es sich aber machbar an, was meinem zur zeit etwas unstrukturierten inneren perfektionisten helfen könnte. was ich gut fänd. (100 situps könnte ich aber dafür nicht machen.)

    liebe grüße
    jule

  • Frau Koriander
    28. Januar 2014 at 13:50

    Sehr inspirierend…habe mir erst mal spontan einen Kalender mit Tageseinteilung geordert,damit ich besser Termine eintragen kann.

  • Catalina
    28. Januar 2014 at 21:22

    Liebe Jana, ich habe mich glaub‘ sehr missverständlich ausgedrückt. „Verplant“ ist hier im Sinne von „verpeilt“ bzw „planlos“, oder eben „Leben-geschehen-lassen“ gemeint. Da sieht man’s….mit der Ausdrucksweise muss ich auch erst mal anfangen… ;-))

    Lieber Gruß,

    Catalina

  • Madhavi Guemoes
    28. Januar 2014 at 21:41

    YES!! Sehr gut! xxx Madhavi

  • Madhavi Guemoes
    28. Januar 2014 at 21:43

    Ich denke es ist gut, sich täglich auf die Dinge zu konzentrieren, die wirklich anstehen und die auch angehen. Aufschreiben hilft enorm! xxx Madhavi

  • Sascha Planert
    26. Mai 2015 at 17:45

    Ich ertappe mich auch immer wieder unliebsame Dinge zu verschieben. Die Verschiebungen bedeuten dabei tatsächlich nur Zeitverschwendung, weil man seine Gedanken immer wieder darauf richten muss, die Situation allerdings nicht zur Lösung geführt wird. Wenn man sich einmal mit einer Herausforderung befasst, sollte sie ohne Umschweife möglichst gleich erledigt werden. So ist sie abgehakt und die eigene Gedankenpower wieder frei. In solchen Momenten ist auch die eigene Konzentration für unliebsame Dinge gefordert.

  • Tim
    13. Mai 2016 at 15:58

    Ein toller Artikel, er gibt mir die Motivation meine Alltagsstrukturierung in Angriff zu nehmen.

  • Madhavi Guemoes
    14. Mai 2016 at 6:31

    Danke, Tim, das freut mich total! Grüße, Madhavi