Column

Madhavi & das Leben // Worauf warten wir?

3. Februar 2020
madhavi-guemoes

Ich blicke aus meinem Fenster und sehe den ersten Sonnenstrahl in diesem Jahr. Egal, wo ich mich aufhielt im Januar: Regen. Grau. Nass. Aber ich möchte nicht über das Wetter klagen, ich freue mich nur gerade wild über diesen kurzen Lichtblick am Himmel, der jetzt auch schon wieder fort ist. Wie schade.

Mein Jahr begann stürmisch, denn als der iranische Kommandeur Qassem Soleimani getötet wurde, befand ich mich gerade in Israel, was sich kurzzeitig nicht wirklich gemütlich anfühlte. In Tel Aviv waren alle höchst entspannt, wie immer, ich durfte nur keine Nachrichten im Internet verfolgen, in dem vom 3. Weltkrieg die Rede war, was ich natürlich trotzdem tat. Ich war wahrscheinlich die einzige Person in Tel Aviv, die nach dem nächsten Bunker Ausschau und die Raketen-Alarm App besonders im Auge hielt. Bisher hatte ich niemals Befürchtungen, doch dieses Mal war mir schon ein wenig mulmig zumute.

Was mir wieder klar wurde: Die Medien machen immer eine unheimliche Panik. Es ist so wichtig, den Kopf immer hübsch angeschaltet zu haben, damit man in jeder Situation klug um die Ecke denken kann.

In Tel Aviv regnete es, wie es halt im Januar üblich ist. Die Medien schrieben von Flut, Untergang, während ich Turnschuhen und Regenschirm durch Tel Aviv schlenderte und davon irgendwie nichts mitbekam. Ich hatte nicht mal nasse Füße. Panikmache verkauft sich übrigens immer gut, aber da erzähle ich nichts Neues. Wir kriegen das ja die letzten Wochen besonders um die Ohren geschleudert.

Und plötzlich ist da wieder Feuer

Dann verbrachte ich sehr viel Zeit mit meinen Kundalini Yoga Lehrern, tauchte nach innen und entdeckte plötzlich etwas, was ich nicht für möglich gehalten hätte: Ich hatte auf einmal wieder diesen Drang, Yoga zu unterrichten. Kundalini Yoga. Wer mich schon länger verfolgt, weiß, dass ich über 15 Jahre Yogalehrerin war und dann auf einmal keine Lust mehr hatte. Alles war mir zu seicht und unverbindlich geworden, die Szene hatte sich so unglaublich verändert, dass es mir keinen Spaß mehr machte.

Dann hörte ich auf. Das war vor ein paar Jahren. Kundalini Yoga übte ich verstärkt in den 90ern und habe vor ein paar Jahren glücklicherweise wieder dahin gefunden. Mir gibt diese Technologie so viel und ich möchte, dass andere, die Kraft und Möglichkeiten auch erfahren können. Wer gern mal in meine Kundalini Yoga Klassen oder Workshops kommen möchte, hier findet ihr immer alle Infos.

Was soll ich sagen, ich bin wieder voll in meinem Element, wer hätte das gedacht. Ich nicht. Ich habe tatsächlich auch eine Theorie dazu: Meine Kinder sind jetzt groß, ich brauche keinen Babysitter mehr, was alles, ich meine wirklich alles, viel leichter macht. Und ich bin viel entspannter als mit Kleinkindern. Manchmal frage ich mich tatsächlich, wie ich das eigentlich überlebt habe. Jahrelang kein Schlaf, die ganzen ungelenken Krankheiten, ein Mann, der in einer anderen Stadt unter der Woche arbeitete, keine Eltern, die mal eben nach den Kindern schauen und natürlich meine ganze Arbeit. Ich habe vor alleinerziehenden Frauen und Männern den allergrößten Respekt!

Mit meiner neugewonnen Freiheit unter der Woche muss ich erst einmal klarkommen. Aber darüber habe ich ja schon mal berichtet. Eine Steuerprüfung hatte ich übrigens dieses Jahr auch schon. Doch alles lief wunderbar, denn ich habe eine hervorragende Steuerberaterin, mache emsig und gewissenhaft meine Steuern und Finanzen sind meine große Liebe.

Wer seine Zahlen nicht kennt, die Augen davor verschließt, wird immer nur halbgar in anderen Dingen sein. Denn das, worum wir uns nicht kümmern, hängt uns im Nacken und zieht unfassbar viel Energie. Also ran an die alltäglichen Dinge, die euch Magenschmerzen bereiten. Es lohnt sich.

Im Übrigen bin ich voller Tatendrang. Ich plane immer nur die nächsten drei Monate mit dem, was ich kreieren, erreichen und manifestieren möchte. Und es klappt so gut. Wir müssen nicht immer für das ganze Jahr denken! Drei Monate reichen vollkommen. Ich halte mich mit nichts mehr zurück. Das mache ich generell ja eh nicht, aber jetzt noch weniger.

Im Januar sind vier Bekannte und Freunde von mir verstorben. Eine davon hat am 1.1. nach Schmerzen während der Feiertage erfahren, dass sie Krebs hat und hat dann Ende Januar ihren Körper verlassen . Sehr jung. Viel zu jung. Dabei hatte ich mit ihr noch so einiges vor.

Worauf warten wir? Lasst uns jede Möglichkeit zu LEBEN nutzen. Lasst uns mehr Freude kreieren, weniger alles zerdenken, mutiger sein und so viel mehr wagen!

#staytrue

Madhavi

© Maria Schiffer

Madhavi Guemoes
Madhavi Guemoes dachte mit 15, dass sie das Leben vollständig verstanden habe, um 28 Jahre später zu erkennen, dass dies unmöglich ist. Sie arbeitet als freie Autorin und Vollzeit-Bloggerin in Berlin und ist Mutter von zwei Kindern. Wenn sie nicht in die Tasten haut, versucht sie auf dem Kopf zu stehen. Madhavi praktiziert seit mehr als 25 Jahren Yoga - was aber in Wirklichkeit nichts zu bedeuten hat.
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  • Sabine
    3. Februar 2020 at 16:09

    Ein schöner, lebendiger Beitrag, liebe Madhavi, danke dafür.

  • Carolin
    3. Februar 2020 at 16:36

    Liebe Madhavi, sehr gern und belebt hab ich deine Zeilen gelesen. Ich danke dir. Das klingt in der Tat bewegt und zugleich besonnen-gelassen. Ja, lass uns nix aufschieben. Und dass du Kundalini Yoga unterrichtest, find ich großartig. Mir macht das Unterrichten (Einzelstunde, hin und wieder Workshop) auch viel Freude. Gehab dich so richtig wohl! Carolin

  • Elisabeth
    4. Februar 2020 at 15:43

    Liebe Madhavi, JA JA JA möchte ich dir hier laut und voller Überzeugung entgegenrufen! JA zu deinen letzten Zeilen!
    Gleichzeitig möchte ich dir mein Mitgefühl aussprechen für die Menschen, die du gehen lassen musstest.
    Von Herzen alles Liebe – und hoffentlich mal wieder bis bald in deinem Studio – Elisabeth

  • Tanja
    5. Februar 2020 at 22:15

    Toller Beitrag! ❤❤❤❤

  • Madhavi Guemoes
    6. Februar 2020 at 13:21

    Danke, Liebe!

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